REIN, S. (1993): Zur Biologie und Lebensweise der germanischen Ceratiten.-
in: Muschelkalk. Schöntaler Symposium 1991, S. 279-284, 7 Abb., Stuttgart, Korb (Goldschneck).

Ergebnisse

Die Analyse der Steinkerne solcher Ceratiten, die eine Reaktion auf pathologische bzw. traumatische Ereignisse dokumentieren, ermöglicht Rückschlüsse auf deren biologische Organisation und Lebensweise. Der Spirale folgende Aragonit-Schwielen auf dem Hypostracum (Rillen auf dem Steinkern) und zum Teil üppigen Conchiolin-Lagen (Conellen auf dem Steinkern) des Endostracums zeigen, daß dem Gehäusegewicht keione selektierende Bedeutung zukam. Selbst bei der Bildung von Hohlformen wurden die Zwischenböden aus Conchiolin überdimensioniert.
Auch der für nektonisch lebende Organismen wichtige Gleichgewichtssinn scheint von untergeordneter Bedeutung gewesen zu sein, denn Individuen mit in der Gehäuseröhre extrem verlagertem Weichkörper samt Siphonalapparat (Phragmokon-Asymmetrie) und andere mit traumatisch verursachtem, artuntypischen Gehäusequerschnitt (forma fastigata Credner 1875, forma conclusa Rein 1989) zeigen in ihrer Individualentwicklung keinerlei Beeinträchtigungen. Sogar elastische Septen-Membranen und der zeitweilige Totalausfall des hydrostatischen Apparates (forma septadeformata REIN 1990) wurden vom Ceratitentier toleriert.
Diese vom Ceratiten direkt gelieferten Belege werden indirekt durch die Besiedlung des Ceratitengehäuses mit mehreren Epökengenerationen ergänzt. Schon aus Gründen des Gesamtgewichts ist das Erreichen des Schwebezustandes physikalisch nicht mehr zu erklären. Da auch in diesen Fällen keine negativen Auswirkungen auf die Ontogenie zu erkennen sind, kann davon ausgegangen werden, daß die germanischen Ceratiten als vagile Benthonten optimal dem Leben am Boden angepaßt waren.

Summary

Ceratite steinkerns documenting reactions to pathologic or traumatic events allow conclusions as to the biological organization of ceratites and their mode of live. Aragonite callus bands in the hypostracum producing furrows on the steinkern surface as well as conchioline layers of the endostracum producing conellae on the steinkern demonstrate that the increased weight of the shell was not selective.
The sense of equilibrium important for nektonic organisms seems to have been secondary, for individual ceratites with their extremely displaced soft parts and siphuncles (asymmetrical phragmocone) and other types of irregular spirals caused by injuries (forma fastigata CREDNER 1875, forma conclusa REIN 1988) have obviously not been harmed in their individual growth.
Moreover, the ceratite animal was able to sustain temporary failure of the hydrostatic apparatus (forma septa deformata REIN 1990). This evidence is completed by epizoans incrusting the ceratite shell in several generations. Thus overfreigthened, the buoyancy of the ceratite cannot be physically explained. As epizoans obviously did not inhibit the growth of the ceratites it can be assumed that they were vagile benthic animals.