REIN, S. (1999): Die Cephalopoden des Oberen Muschelkalkes (Mittlere Trias) und das Archimedische Prinzip.-
Veröff. Naturkundemuseum Erfurt, 18: 57-63, 7 Abb., Erfurt.

Zusammenfasssung

Am Beispiel echter Epökie von Placunopsis ostracina Berg auf den Steinkernen von Ceratites de Haan und Germanonautilus Mojsisovics wird die Funktion des Phragmokons aus biomechanischer Sicht diskutiert. Der Phragmokon des nektonisch lebenden Nautilus ist ein hochsensibles gewichtsregulierendes Organ. Zur Erhaltung der Bedingung des Schwebegleichgewichts reagiert es auf Gewichtszunahme beim Gehäusewachstum mit Kammerbau. Zusätzliche Gewichtsveränderungen können offensichtlich nicht kompensiert werden und haben den Tod des Individuums zur Folge.
Sowohl Ceratites als auch Germanonautilus tolerierten größere Gewichtszunahmen (echte Epökie durch Placunopsis) ohne sichtbare Reaktionen beim Kammerbau. Diese Verhaltensweise wird dahingehend gedeutet, dass ihr Kammerapparat nicht unbedingt ein gewichtsregulierendes Organ für Schwimmer war. Ceratites und Germanonautilus waren offensichtlich auch ohne Epöken zu schwer zum Schweben und lebten bodenbezogen. Aufgrund ihrer grundverschiedenen Gehäusemorphologie und der wirksam werdenden hydrostatischen Gesetze unterscheiden sie sich jedoch in ihrer Lebensweise. Ceratiten brauchten zur horizontalen Fortbewegung den ständigen Bodenkontakt und trugen dabei ihr Gehäuse wie einen Hut. Der mit der breiten Ventralseite am Boden aufsitzende Germanonautilus wurde durch seine große ventrale Trichtermündung befähigt, sich mittels kräftigen Trichterschubs vertikal und horizontal aktiv schwimmend fortzubewegen.

Abstract

The phragmocone function of ectocochleate cephalopods is discussed from a biomechanical viewpoint using true epibiotism by Placunopsis ostracina Berg on steinkerns of Ceratites De Haan and Germanonautilus Mojsisovics. The phragmocone of the nectonic modern Nautilus is a highly sensitive weight-regulating organ. For maintaining the critical condition of neutral buoyancy it reacts to a weight increase during growth by formation of new camerae. Obviously, additional changes in weight cannot be compensated for and result in the animal`s death.
Ceratites as well as Germanonautilus in life tolerated a considerable weight increase caused by the settlement of Placunopsis without visible changes of the growing phragmocone. This behaviour is interpreted as an indication that the phragmocone was not necessarily a weight-regulating device of swimmers. Obviously, Ceratites and Germanonautilus even without epizoans attached to their shell were too heavy for a floating lifestyle, and therefore both genera were bottom-dwellers. However, in detail they differ in the lifestyle because of their remarkably different shell morphology and the involved hydrostatics. Ceratites had to rely on a steady ground contact for horizontal motility and had to carry its shell like a hat, whereas Germanonautilus, normally resting on his broad venter, was capable due to its wide hyponomic sinus to actively swim vertically and horizontally utilizing his powerful funnel thrust.