Echte Epökie auf Germanonautilus und ihre Folgen

Der eindeutige Nachweis echter Epökie wird mit dem Überwachsen des Epöken durch den Wirt erbracht. Bei Ceratites verändert sich dabei das äußere Erscheinungsbild, weil das Gehäuse durch planspirale Aufrollung einer geschlossenen Röhre gebildet wird und beim Überwachsen des/der Epöken ein sichtbarer Knick in der Windung entsteht.
Im Unterschied dazu wird von Germanonautilus beim Gehäusewachstum die Schale beidseitig direkt an die Lateralseite der überbauten Windung gekittet (Nahtbildung). Das hat zur Folge, dass der Weichkörper im gesamten Wohnkammerbereich immer direkt auf der Außenschale der vorigen Windung liegt. Beim Überwachsen darauf festsitzender Epöken durch den elastischen Weichkörper sind folglich am Gehäusebau keine Veränderungen zu erwarten.

Echte Probleme entstehen für den apikalen Weichkörper erst beim Einbau der Septen auf und über die Epöken. Die Ursache dafür liegt in der speziellen Bauweise dergestalt, dass das neue stark gewölbte Septum an den Ansatzstellen im Gehäuse dachziegelartig das zuvor gebaute überlappt. Bei größeren „Hindernissen" hat der offensichtlich nicht sehr elastische apikale Mantel Probleme beim Einbau des neuen Septums. Es kommt zu aberranten Bildungen bei denen auch der Sipho in ungewöhnlicher Weise verlagert werden kann.
Dieser Vorgang wird mit einem in zwei jeweils 3 cm dicke „Scheiben" median geschnittenen Steinkern-Bruchstück eines Germanonautilus tridorsatus Böttcher demonstriert.

Die im Medianschnitt dargestellten Teilflächen verdeutlichen den problematischen Sipho- und Septeneinbau für den Weichkörper.
Erste Scheibe

Der apikale Mantel hat offensichtlich Schwierigkeiten beim beginnenden Einbau der ersten extrem dicht stehenden Septen über die kompakt liegenden Epöken. Danach normalisiert sich scheinbar für 5 Kammern der Septen-Abstand dabei wird jedoch der Weichkörper in sich verdreht und der Sipho aberrant verlagert. Die letzten vier Septen variieren schließlich chaotisch zwischen extrem eng und ungewöhnlich weit.

Zweite Scheibe

Im hinteren Abschnitt werden die enormen Probleme sichtbar die der apikale Weichkörper beim Einbau der regelrecht verkantet liegenden Septen auf die an dieser Stelle maximal fülligen Epöken hatte. Die am diagonal eingebauten Sipho sichtbare Verspannung des Weichkörpers hielt sich noch bis zum letzten chaotisch eingebauten Septum und hatte offensichtlich den Tod des Individuums zur Folge.
An einem weiteren Fallbeispiel kann die gleiche Problematik dargestellt werden, bei der das Individuum trotz Kontakt-Verlust des Siphos im Phragmokon die kritische Situation noch lange überlebte.

Der dreimalige Versuch, auf die massigen Epöken die Septen einzubauen, schlug fehl. Daraufhin wurde der direkte Kontakt des apikalen Weichkörpers mit dem letzten Septum abrupt gelöst und somit das Kammerorgan außer Kraft gesetzt. Dieser physiologisch beispiellos ungewöhnliche Vorgang wurde mit einem gleichfalls ungewöhnlichen Neubeginn mit drei unvollständigen Septen fortgesetzt. Die geglückte Regeneration wird mit dem finalen Bau von zehn Septen abgeschlossen.

Mit der Dokumentation anomaler Bildungen kann gezeigt werden, dass nicht die ästhetischen „Vitrinenstücke" die wertvollsten Informationsträger sind. Die vorgestellten Beispiele dokumentieren Fähigkeiten des Germanonautilus die der rezente Nautilus nicht besitzen kann.
Sie gehören zu den Mosaiksteinen die zur Rekonstruktion der biologischen Organisation fossiler Organismen benötigt werden und eine objektive Meinungsbildung fördern.