Sekundärschalenbildung (forma conclusa) bei Germanonautilus

Unter dem Begriff forma conclusa wurden ursprünglich nur Bildungen pathologischer Ceratiten zusammengefasst bei denen das Tier unter der Primärschale zusätzlich eine oder mehrere Sekundärschalen eingezogen hat. Voraussetzung dafür ist die vollständige Haftung des Mantels an der Gehäuse-Innenwand und die Fähigkeit des gesamten Mantelepithels Schalenmaterial absondern zu können.

Auf den Steinkernen juveniler Germanonautilus tridorsatus sind nun gleichfalls Reste einstiger Sekundärschalen überliefert. Sie heben sich mit ihrer dunklen Braunfärbung deutlich vom helleren mikritischen Kalk ab. Ihr Nachweis ist dem überdurchschnittlich hohen Anteil an Conchin und den günstigen Fossilisationsbedingunen des Oberen Muschelkalks aus dem Aufschluss Troistedt zu verdanken.

Der Weichkörper von Germanonautilus haftete demnach auch wie dem von Ceratites flächig an der gesamten Innenwand seiner Wohnkammer. Das ist ein eindeutiger Befund. Er berechtigt, den Begriff forma conclusa auch auf Germanonautilus auszuweiten. Sowohl die mehrfach angelegte großflächige Dimensionierung als auch die Übernahme der Hohlform von der Wohnkammer bis auf den Phragmokon zeigen, dass die betroffenen Individuen längere Zeit überlebten. Dabei musste Germanonautilus wie Ceratites gleichfalls beachtliche Volumenverluste in der Wohnkammer und dem Phragmokon tolerieren.

Mit Hilfe der Rückschlüsse die aus der Anlage von Sekundärschalen auf Germanonautilus-Steinkernen gezogen werden können, wird ein direkter Vergleich mit dem Weichkörper der rezenten Nautiliden ermöglicht. Die grundverschiedene Haftfläche des Mantelepithels macht gravierende physiologisch/funktionelle Divergenzen der biologischen Organisation des Weichkörpers sichtbar. Die gänzliche Haftung des Mantelepithels an der Gehäuseinnenwand bedingt das Fehlen der vom rezenten Nautilus bekannten isolierten Muskel-Ansatzstellen.

Die Evolution hat somit auch beim viel zitierten „lebenden Fossil" Nautilus keine Ruhepause eingelegt.