Die benthische Lebensweise des Germanonautilus

Wie bei Ceratites sind trotz echter Epökie und damit verbundener beträchtlicher Gewichtszunahme auch bei Germanonautilus in keinem Fall Reaktionen des Weichkörpers zu erkennen die zur Aufrechterhaltung eines Schwebegleichgewichtes nötig gewesen wären. Die problemlose langzeitige Tolerierung des Zusatzgewichtes zeigt, dass Germanonautilus mit seiner dicken Schale auch ohne Epöken zu schwer zum Schweben war.


Bei konsequenter Anwendung der hydrostatischen Gesetze auf die Befunde von Germanonautilus werden deshalb drei Aussagen möglich:
- die Fähigkeit, dass Germanonautilus ein Schwebegleichgewicht austarieren konnte, kann aufgrund der Befunde mit echter Epökie mit Sicherheit ausgeschlossen werden
- die spezielle Gehäusemorphologie mit der biomechanisch günstigen ventralen Trichtermündung könnte Germanonautilus eine Lokomotion mit Trichterschub ermöglicht haben. Im Unterschied zum kraftsparenden Schwimmen im Schwebegleichgewicht der rezenten Nautiliden hätte Germanonautilus dafür jedoch eine bedeutend größere Kraft als den negativ resultierenden Auftrieb benötigt.
- Eine Lokomotion mit ständigem Bodenkontakt wie Ceratites erscheint deshalb alternativlos.

Kiefer und Ernährungsweise

Conchorhynchus avirostris als Unterkiefer von Germanonautilus


Conchorhynchus ist relativ selten. Wenn er gefunden wird, dann zumeist in der Lage mit der Unterseite nach oben. Somit ist allgemein das Erscheinungsbild mit der Sicht von unten oder seitlich auf die biserial genarbte Mittelleiste geläufig. Wenig bekannt dagegen ist die meist im Sediment eingebettete Oberseite mit der nur zudem selten vollständig erhaltenen „Kaufläche". Sie wird häufig erst nach Präparation sichtbar und ist in der Regel schlecht erhalten. Die „Kaufläche" mit den „Kaurippen" hebt sich durch die dunkle Färbung vom helleren Kalk der „Kehle" deutlich ab. Da die Struktur der Kaufläche von Vertebratenzähnen ähnelt, basierte auf ihr die falsche Vorstellung, die Funktion der Kiefer mit der von Zähnen gleichzusetzen.
Es handelt sich jedoch nicht um widerstandsfähigen Zahnschmelz, sondern lediglich um eine Substanz aus Kalk mit lamellös-organischen Einlagerungen.

Rhyncholithes hirundo als Oberkiefer von Germanonautilus

Rhyncholithes ist ein kompaktes Kalkgebilde. Wie bei Conchorhynchus werden die mechanisch beanspruchten vorderen Kieferteile nicht aus Zahnschmelz gebildet, sondern sind wiederum durch dünne laminierte organische Lagen gehärtet.


Die Funktion des Kieferapparates

Nautilus kann mit seinem Schnabel nur Stücke seiner Beute abbeißen, die weitere Zerkleinerung der Nahrung erfolgt mit der Radula. Gleiches gilt für die scherende Bewegung des Oberkiefers von Germanonautilus. Rutte (1962) ging irrtümlich davon aus, dass die „Kauflächen" von Unter- und Oberkiefer übereinander gelagert waren und reibend die Nahrung zerkleinerten. Darauf beziehen sich die irreführenden Bezeichnungen „Kaurippen" und „Raspel".
Da es sich bei den „Kaurippen" lediglich um modifizierte Kalkbildungen handelt, wäre der Verschleiß größer als ihre Regenerierung. Zudem ist die Schnabelform für derartige Bewegungen ungeeignet. Die Abbildung demonstriert die reale Lage des Oberkiefers im Unterkiefer. Die auf diese Weise „abgeschnittene" Nahrung gelangte über den kompakt geschlossenen Kehlraum zum Verdauungstrakt.

Ernährung

Von Nautilus ist bekannt, dass er weiche Nahrung (Krebstiere, Aas usw.) bevorzugt. Er ist zwar in der Lage aus Gehäuserändern von Artgenossen Teile auszubrechen, für eine durophage Ernährung ist jedoch sein schnabelartiger Horn-Kiefer nicht geeignet.
Germanonautilus besaß bedeutend kleiner dimensionierte Kiefer. Ihre kompakte kalkige Ausbildung, verbunden mit einer kräftigen Schließmuskulatur, ermöglichten aber sicherlich eine durophage Ernährungsweise.
Germanonautilus ernährte sich carnivor, war aber mit seinem plumpen und schweren Gehäuse sicherlich kein guter Jäger. Obendrein wurde die Auswahl der Beutetiere durch die geringe Kiefergröße eingegrenzt. So kamen als Beute lediglich benthische Organismen wie Krebstiere, dünnschalige Muscheln, Gastropoden und die in großen Populationen am Boden lebenden dünnschaligen juvenilen Ceratiten in Betracht.

Germanonautilus belegte in der Nahrungskette des Muschelkalkmeeres eine Sonderstellung. Sein dickschaliger kompakter Gehäusebau bot ausreichenden Schutz vor Fressfeinden seiner Zeit. Trotz geringer Reproduktionsraten als „k"-Stratege war dieser Bauplan für den kosmopolitischen Germanonautilus bis ans Ende der Trias optimal.