Die Phylogenese der Biospezies Ceratites nodosus

Die Zusammensetzung der Immigranten-Populationen im neu entstandenen Lebensraum Muschelkalkmeer war heterogen. Trotzdem kam es nach erfolgter reproduktiver Isolation in einem komplexen Integrationsprozess zur Bildung der Biospezies Ceratites nodosus. Ihre evolutive Entwicklung als biologische Art erfolgte in einer durchgehenden Formenreihe ohne weitere Aufspaltung in Tochterarten und endet mit dem nachkommenlosen Aussterben. Durch den Sexual-Dimorphismus "E" und "P" wird die in sich geschlossene Organismengruppe durchgängig zweigeteilt. Alle sich zeitlich in ihr einander ablösenden Chronospezies sind subjektiv definierte "Zeitformen" und keine biologischen Arten. Die markanten morphologischen Phasen-Wechsel (Ph) in der Zeit reflektieren offensichtlich physiologische Reaktionen auf ökologische Veränderungen.
Ph 1 = flexuose Phase; Ph 2 = erste dichotome Phase; Ph 3 = erste nodose Phase; Ph 4 = zweite dichotome Phase; Ph 5 = zweite nodose Phase; Ph 6 = hypermorphose Phase

Quantitativer Vergleich der „E" und „P" -Morphen

Die Aufspaltung in den frühontogenetisch kräftig trichotom bis dichotom skulpturierten „P" Typ und zum anderen in den schwach skulpturierten „E" Typ ist von der Immigration bis zum Aussterben lückenlos zu verfolgen. Die gesamte statistische Auswertung erfolgt auf der Basis der Divergenz dieser Dimorphen und wird seit 2003 als Geschlechts-Dimorphismus gedeutet. Alle auf diese Weise von mir erfassten Parameterwerte von insgesamt 4723 Individuen aus sieben Biozonen (1988; 1999; 2003; 2007; 2008; 2010) zeigen während der Phylogenese ein quantitativ wechselndes Verhältnis der Dimorphen zueinander.


Die evolutionäre Lage-Änderung des apikalen Weichkörpers

Vom apikalen Mantelepithel wird das neue Septum geformt und in die Gehäuseröhre eingebaut. Somit entspricht die Anlage der Kammerscheidewand zugleich der einstigen Position des Weichkörpers im hinteren Teil der Wohnkammer.
Die dabei entstehenden Suturen auf den Ceratiten-Steinkernen haben unterschiedliche Neigungen gegenüber der Lotrechten. Für eine zum Nabel hin absteigende Form wird der Begriff „deszendent" und für eine gegen den Nabel hin aufsteigende Lobenlinie der Begriff „aszendent" verwendet. Dabei bleibt die Weichkörperlage während der gesamten Ontogenese konstant und kann lediglich nach traumatischen Ereignissen kurzzeitig wechseln.

Mit Populationsanalysen konnte nun erstmals die unterschiedliche Position des apikalen Mantels durchgängig prozentual erfasst werden. Die Korrelation der auf Biozonenebene integrierten Werte bringt einen klaren evolutionsbiologischen Trend zum Vorschein. Die Installation des Septums durch den apikalen Weichkörper verlagert sich von einer mit >90% dominant aszendenten Position von den Immigranten bis in die spinosus-Biozone zu einer senkrecht/deszendenten Lage und endet schließlich in der semipartitus/meissnerianus-Biozone mit >90% dominant deszendent.

Dieser evolutionäre morphologisch/physiologische Positionswechsel des apikalen Weichkörpers zeigt, dass sich in der Wohnkammer ein enormer Wandel vollzogen hat. Die während der gesamten Phylogenese der Biospezies C. nodosus erfolgte Weichkörperverlagerung kann als biomechanische Anpassung an verändert wirkende Kräfte gedeutet werden.