Die genetische Vielfalt der heterogenen Immigranten Populationen charakterisiert den Genpool der Biospezies Ceratites nodosus

Der in Deutschland mit seiner Fossilführung im Oberen Muschelkalk einzigartige temporäre Aufschluss Troistedt zwischen Erfurt und Weimar entstand 1993 und ermöglichte erstmalig für Thüringen den Blick auf die ungestörte Schichtenfolge von der Grenze des Mittleren zum Oberen Muschelkalk bis zur cycloides-Bank.
Mit der einmaligen Gelegenheit, die Ceratiten der flexuosus- und sequens/pulcher -Zone zusammenhängend und gezielt zu bergen, ergab sich die Chance die vorhandenen biostratigraphischen und paläontologischen Wissenslücken zu schließen. Mehr als 700 exakt horizontierte Belegstücke schafften die Voraussetzung für eine umfassende statistische Bearbeitung.
Dabei konnte die genetische Vielfalt der heterogenen Immigranten Populationen, die nach erfolgter reproduktiver Isolation schließlich zur Speziation führte, offen gelegt werden. Als einfache, genetisch aber aussagekräftige Merkmale der Immigranten erweisen sich die Ausbildung des Fadenkiels, der Ventralskulptur und der Lobenlinie mit gekerbten Sätteln.

Die Fülle des gesammelten Belegmaterials ermöglichte die nochmalige Teilung der jeweiligen Biozone. Auf diese Weise konnten die evolutiven Veränderungen detaillierter in vier Phasen (a - d) erfasst werden. Auffallend ist der gemeinsame Trend beim Wechsel von Phase c in Phase d in der mittleren sequens/pulcher -Zone. Hier wird die genetische Wertigkeit der Merkmale im Genpool der neu entstandenen Biospezies „Ceratites nodosus" in der Phylogenese sichtbar.

Der genetisch bedingte Wandel kann an den Änderungen des Merkmals „ammonitische Sutur" modellhaft demonstriert werden.

Der prozentuale „ammonitische" Merkmals-Anteil verringert sich innerhalb der heterogenen Fortpflanzungsgemeinschaft von 23% in Phase „a" auf 3,5% in Phase „d".
Der überraschend schnelle Abbau der ammonitischen Sutur deutet darauf hin, dass es sich um ein rezessives Merkmal handelt. Der bemerkenswert große prozentuale Anteil an Sutur-Bildungen mit aufsteigender Kerbung der Sattelhälse kann nur mit Rekombinationsvorgängen innerhalb der Immigranten-Populationen gedeutet werden. Gleichfalls auf Rekombination zurückzuführen ist die Bildung von Einzelzacken bevorzugt auf den Ventralsätteln. Insgesamt reduziert sich der Anteil gekerbter Sattel-Strukturen von zwei Drittel der Individuen in Phase „a" auf ein Drittel in Phase „d".

Wie nachhaltig dieses Merkmal jedoch im Genpool der Biospezies erhalten bleibt, zeigen die 17% rezessiver ammonitischer Sutur-Strukturen in der compressus-Population von Erkeln, 12% der evolutus- und 6% der spinosus-Population in Thüringen.