Forma septadeformata - ein traumatischer Super-GAU

Dem Phragmokon als ontogenetischen Informationsträger wurde in der Vergangenheit kaum Beachtung geschenkt. Da jedoch die Septalfläche der Morphologie des apikalen Weichkörpers zum Zeitpunkt ihres Einbaues im hinteren Bereich der Wohnkammer entspricht, sind die Septen elementare physiologische Informationsträger.
Aus der Art und Weise des Septenbaues und ihrer Anheftung (Suturlinie) sind deshalb nachhaltige Rückschlüsse auf die unbekannte biologische Organisation des Ceratiten-Tieres zu erwarten. Gleichmäßiges, unregelmäßiges, schnelles oder gebremstes Wachstum, Reaktionen auf Verletzungen, Befinden bei pathologischen Beeinträchtigungen - alle diese Befunde reflektieren den ontogenetischen Werdegang des Individuums. Das Entschlüsseln dieser beim Septenbau gespeicherten Informationen eröffnet die Möglichkeit diesen Lebenslauf zu rekonstruieren.

Weil vom apikalen Mantel das neue Septum geformt und in die Gehäuseröhre eingebaut wird, entspricht die Anlage der Kammerscheidewand folglich der einstigen Position des Weichkörpers im hinteren Teil der Wohnkammer. Dabei stehen die Septen vom Marginalsattel zur Nabelmitte entweder senkrecht, deszendent oder aszendent. Diese genetisch vorgegebene Weichkörperlage wird im Normalfall während der gesamten Ontogenie beibehalten. Deshalb geht jede Abweichung von der vorgegebenen Suturstellung auf einen pathologischen Positionswechsel des apikalen Weichkörpers zurück und bleibt unverändert postmortal im Steinkern konserviert.
Geringfügige Lageänderungen der Lobenlinie werden vom Ceratitentier häufig schnell wieder ausgeglichen und bleiben unauffällig. Erst an extremen Einzelbeispielen wird die spektakuläre Anpassungsfähigkeit des apikalen Weichkörpers im Zusammenspiel mit dem Phragmokon als unbekanntes Organ sichtbar gemacht.

Auffallend ist, dass der septenfrei scheinende Gehäuse-Abschnitt der forma septadeformata in der Regel gekappt erscheint. Gekappt sind auch die Steinkerne mit postmortal aufgelösten Septen. Im Unterschied wird hier jedoch der septenfreie Bereich immer von gleich stehenden Septen begrenzt.

Das Regenerierungsvermögen des apikalen Weichkörpers im Zusammenspiel mit dem Sipho- und Septenbau zeigt, dass die klassische Vorstellung vom Ammoniten-Phragmokon als ein den „Auftrieb steuerndes Organ" grundlegend revidiert werden muss. Obwohl die Beschreibung der forma septadeformata inzwischen seit zwanzig Jahren bekannt ist, wird sie nach dem Motto „weil nicht sein kann was nicht sein darf" ignoriert.