Forma refecta - eine Schalenverletzung der interimistischen Gehäusemündung

Schalenfrakturen an der Gehäusemündung bei denen der Weichkörper nicht verletzt wurde gehören zu den häufigsten Verletzungen der kleinen Ceratiten-Morphen. Sie entstehen, wenn bei Schalenfrakturen an der Gehäusemündung das Mantelepithel die formgebend stabilisierende Fixierung durch die Schale verliert und die Haftung mit den Bruchstücken einbüßt. Der betroffene nun freiliegende Mantelbereich kontrahiert und zieht sich an die Bruchkante der intakten Schale zurück. Dabei kommt es zu einem von der Verletzungsgröße abhängigen wulstförmigen Weichkörperstau.



Diese Aufblähung ist ein Indiz dafür, dass der Weichkörper nicht in das Gehäuse zurückgezogen werden konnte. Weil das „Ankitten" des neu gebildeten Schalenmaterials direkt an die Bruchkante erfolgt erscheint der Frakturverlauf auf dem Steinkern scharf begrenzt. Der anschließend vom Mantelepithel flächig ausgeschiedene regenerierte Gehäuseabschnitt besitzt diese vorgegebene Wulstform und ist verbunden mit einer Querschnittszunahme.



Bleibt bei der Fressfeindattacke auf die Gehäusemündung der Weichkörper unverletzt, folgt auf die Regenerierung der normale genetisch vorgegebene Schalenbau.


Regenerierte Schalenfrakturen an der Gehäusemündung bedingen kurzzeitig eine Zunahme des Gehäusequerschnittes. Diese Volumenvergrößerung vor der Bruchkante zeigt, dass Ceratiten ihren Weichkörper nicht in das Gehäuse zurückziehen konnten. Die unskulptierten Bildungen der Ersatzschalen belegen eindeutig, dass das gesamte Mantelepithel zur Schalenbildung befähigt war. Damit verbundene Gewichtskraft-Verluste und Auftriebskraft-Änderungen spielen keine Rolle. Auch der genetisch vorgegebene Gehäusebauplan wird im Verlaufe der weiteren Ontogenie davon nicht beeinflusst.