Die forma conclusa - ein Indikator des Ceratiten-Weichkörpers

Das Einziehen von Sekundärschalen unter die Primärschale des Gehäuses (forma conclusa Rein 1989) gehört zu den informativsten pathologischen Bildungen der Ceratiten überhaupt. Bei Schalenerhaltung wäre diese pathologische Schalenbildung von außen nicht zu erkennen.
Sekundärschalen können vom gesamten Mantel-Epithel an jeder Stelle in der Wohnkammer ausgeschieden werden und in mehreren Lagen unterschiedlich große Flächen unterfangen. Diese Befähigung setzt jedoch voraus, dass der Mantel vollständig am Hypostracum haften musste. Die postmortale mikritische Verfüllung der auf diese Weise entstandenen Hohlräume ist der spezifischen Fossildiagenese des Oberen Muschelkalkes zu verdanken.


Sekundärschalenbildungen entstehen nach kurzzeitigem Haftungsverlust des Weichkörpers von der inneren Schalenfläche der Wohnkammer. Als Ursache können äußere Zugkräfte eines Fressfeindes denen der Ceratit durch aktive Bodenhaftung entgegenwirkt angenommen werden.
Abhängig von der Intensität der Fressfeindattacke
-ist die Größe des Haftungsverlustes und damit die Größe der abgelösten Fläche
-ist die Intensität des gereizten Mantel-Epithels und damit die Menge der ausgeschiedenen conellenbildenden Substanz
-ist die etwaige irreparable Verletzung vor allem des apikalen Mantels
-ist die Nachwirkung weiterer chronischer? Reize in Form zusätzlich gebildeter Sekundärschalen

Bildungen der forma conclusa sind auf den Ceratiten-Steinkernen am besten auf dem Phragmokon zu erkennen. Da vom apikalen Mantel-Epithel die Septen von innen an die Sekundärschale geschweißt werden, entsteht außen ein auffallend suturfreier Abschnitt.



Eindeutige Nachweise auf der Wohnkammer sind dagegen schwerer zu identifizieren. Am besten gelingt das mit Resten der conellenbildenden Substanz oder auffallend unterschiedlich gefärbten Bereichen bevorzugt entlang von Skulpturelementen auf dem Steinkern.


Median- und Querschnitte machen eindrucksvoll die kausalen Bildungsprozesse für die Entstehung der Sekundärschalen sichtbar. Die Dynamik ihrer Formung und die unterschiedlichen Reaktionen während der ontogenetischen Entwicklung werden erst durch Schliffpräparate verständlich.


Schwieriger wird die Deutung der Entstehung von Bildungen, bei denen keine postmortale Verfüllung des beim Einziehen der Sekundärschale entstandenen Hohlraumes erfolgt ist. Derartige im Oberen Muschelkalk seltene diagenetische Sonderfälle sind nur mit dem erworbenen Wissen zur variablen forma conclusa Entstehung verständlich zu erklären.


Die Fossilbelege mit der forma conclusa beweisen, dass Sekundärschalen vom gesamten Mantel-Epithel an jeder Stelle in der Wohnkammer ausgeschieden werden können. Diese Befähigung bedingt jedoch eine vollständige Haftung des Weichkörpers am Hypostracum.