Pathologische Veränderungen der Gehäusemorphologie durch „echte Epökie"

Das Aufwachsen von sessilen Organismen auf Ammonitengehäusen wird mit Epökie bezeichnet. Geschieht dies bereits zu Lebzeiten des Wirtes handelt es sich um "echte Epökie". Der sicherste Nachweis dafür ist das Überwachsen des festsitzenden Epöken durch die nachfolgende Schale. Weil das Ceratitengehäuse aus einer in sich geschlossenen planspiral aufgerollten Röhre entsteht, wird beim Überwachsen des Epöken die genetisch vorgegebene Spiralform pathologisch verändert und es kommt zu Missbildungen.


Die durch den Aufwuchs der Epöken entstandenen pathologischen Behinderungen, wie unkontrollierbare Gewichtszunahmen und unterschiedlichste Änderungen beim Bau der logarithmischen Spirale, beeinträchtigen die Ontogenie des Ceratiten-Tieres in der Regel nicht.



Obwohl das Überwachsen von Epöken bei Ceratiten nicht zu den Seltenheiten gehört, ist die anomale Ausbildung mit kurzzeitig völliger Lösung der oberen von der unteren Schalenröhre ungewöhnlich. Als Auslöser für diese offensichtlich vom Ceratiten-Organismus nur schwer zu tolerierende Missbildung kommen ungewöhnlich großwüchsige Epöken in Betracht. Mit lediglich zwei Belegen bleibt das durch „extreme Epökie" verursachte zeitweilige Ablösen der Gehäuseröhre von der vorigen Windung die seltenste Gehäuse-Anomalie der Ceratiten.


Beim Überwachsen von Epöken wird sowohl die unkontrollierbare einseitige Vergrößerung des Gewichts als auch das kurzzeitige Verlassen der genetisch vorgegebenen Spiralform toleriert. Lediglich ein vollständiger Kontaktverlust der in sich geschlossenen Röhren zueinander erscheint irreparabel und führt zum vorzeitigen Tod des Individuums.