Die conellenbildende Substanz als „Allheilmittel" der Muschelkalk-Apotheke

Die Muschelkalk-Ceratiten sind ausschließlich in Steinkernerhaltung überliefert, denn ihr calcitisches Schalenmaterial wurde im Meerwasser vollständig aufgelöst. Auf traumatische und pathologische Ereignisse reagierte der Ceratiten-Organismus wie viele schalenbildende Mollusken mit der Ausscheidung von Conchin. Diagenetisch modifizierte Reste der auf diese Weise regenerierten einstigen Originalschale sind in Gestalt von Conellen erhalten geblieben.
Conellenbildungen auf Ceratiten-Steinkernen entstehen grundsätzlich postmortal aus einer Conchin/Calcit Wechsellagerung von Teilen der Originalschale.


Kombinierte physikochemische und mechanische Prozesse zerlegen die ursprünglich kompakt laminierte conellenbildende Substanz in Einzelaggregate. Dabei wird ihre äußere Form von der Anzahl und Mächtigkeit der Conchin-Lagen (terrassenförmiger Aufbau) sowie den Korngrenzen des Calcits (Rillenbildung) geprägt.



Der laminare Aufbau der conellenbildenden Substanz ist deutlich ausgeprägt. Die proximalen Laminen liegen ungestört auf einer kompakten Sparitlage. Den distalen Schichten fehlt die schützende Sparitabdeckung, sodass die zerstörend wirkenden Prozesse sichtbar werden. Die Spaltflächen der Kalzitkristalle durchziehen die Laminen und sind kausal für die Zerklüftung der vormals homogenen Wechsellagerung verantwortlich. Wie die unter gekreuzten Nicols gemachten Aufnahmen zeigen erfasst die Sparitisierung auch den mikritischen Basisteil. Die an der Conellenbasis angereicherten transportierten Bestandteile zeigen, dass die Spaltflächen als Lösungsbahnen dienten.


Die conellenbildende Substanz ist eine spezielle Epithelbildung des Weichkörpers und ein sicherer Indikator für alle pathologischen bzw. traumatisch verursachten Reaktionen des Ceratiten-Organismus. Conellenbildende Substanz kann in variabler Dicke vom gesamten Mantelepithel in der Wohnkammer ausgeschieden werden.



Erst postmortal entstehen aus ihr freiliegend ceratitenspezifische Modifikationen in Form von Kompaktconellen, Flachconellen und Nadelconellen. Die bisher aus der Conellen-Problematik vorliegenden Erkenntnisse erlauben bereits eine Vielzahl detaillierter Aussagen zur Biologie und Lebensweise der nachfahrenlos ausgestorbenen Ceratiten. Ihre auf den Steinkernen hinterlassenen Spuren ermöglichen diesbezüglich vielfältige Rückschlüsse auf den gesunden Organismus.



Alle dementsprechenden Aussagen sind der optimalen Ausbildung von Conellen im Oberen Muschelkalk auf thüringischen Ceratiten-Steinkernen zu verdanken. Diese Ausnahmestellung Thüringens wird auf einen vom übrigen Muschelkalkmeerwasser abweichenden Chemismus zurückgeführt.


Die umfassende Kenntnis der variablen Ausbildung der verschiedenen Conellenformen auf der Steinkernoberfläche ermöglicht inzwischen Rückschlüsse auf die vormalige Existenz conellenbildender Substanz auch ohne Conellenerhaltung.

Die Fähigkeit der Epithelien des Weichkörpers zur Ausscheidung der conellenbildenden Substanz in der gesamten Wohnkammer ist ein weiterer Nachweis für die lückenlose Haftung des Mantelorgans.