„Black layer" bei Ceratites?

Schwarze Lagen vor der Gehäusemündung sind flächenhaft begrenzte Bildungen des Mantels einiger Ceratiten die nur gelegentlich ausgeschieden werden. Oberflächlich betrachtet könnten diese Bildungen mit der „black layer" des rezenten Nautilus gleichgesetzt werden.


Wie alle Belegstücke zeigen, werden die schwarzen Beläge von Ceratites jedoch lediglich als Besonderheit kurzzeitig im letzten Ontogeniestadium einzelner Individuen vor der Gehäusemündung gebildet.

Die Ursache für diese Sonderbildung wird erst verständlich, wenn grundsätzlich morphologisch/physiologisch/funktionelle Unterschiede zwischen Nautilus und Ceratites berücksichtigt werden.

Der Mantel von Nautilus haftet in der hinteren Wohnkammer lediglich an den Muskelansatzstellen und einem schmalen Streifen an der Gehäusemündung. Er ermöglicht damit das Zurückziehen des Kopffußes in das schützende Gehäuse. Dabei liegt der dorsale Weichkörper direkt auf Schale der vorigen Windung mit dem „black layer"-Belag.

Im Gegensatz dazu haftet der Weichkörper von Ceratites an der gesamten Gehäuse-Innenwand (nachweisbar mit forma conclusa) und der Kopffuß vor der Mündung auf der Externseite der darunter liegenden Windung. Er kann folglich auch nicht in das Gehäuse zurückgezogen werden (nachweisbar mit forma refecta). Bei der im Sonderfall zusätzlichen Ausscheidung der schwarzen Substanz vor der Gehäuse-Mündung handelt sich offensichtlich um eine funktionelle Reaktion auf einseitig verändert wirkende Kräfte zur vergrößerten Haftung des Kopffußes. Dabei korreliert die Ausbildung der schwarzen Substanz häufig mit der beginnenden Skulpturabschwächung am Ende der Ontogenese.


In Thüringen ist die Häufigkeit dieser Bildungen in den jeweiligen Ceratiten-Biozonen unterschiedlich. Flexuosus-Zone = 5%, sequens/pulcher-Zone = 4%, compressus-Zone = 1% und spinosus-Zone = 0,08%. In der praenodosus- und nodosus-Zone scheint sich jedoch ihr prozentualer Anteil wieder zu erhöhen.


Die Ausscheidung schwarzer Substanzen vor der Gehäusemündung einiger Ceratiten erscheint exogen verursacht oder pathologisch begründet. Der eng begrenzte Zeitraum am Ontogenie-Ende lässt vermuten, dass die Ursache der Bildung irreparabel ist und mit dem Tod des Individuums endet.