Ontogenese

Es gehört zu den Besonderheiten der spezifischen Fossildiagenese im Oberen Muschelkalk, dass Ontogeniestadien juveniler Ceratiten kleiner als 1 cm äußerst selten überliefert sind. Dazu gehören Formen in mikritischer und calcitischer Erhaltung.

Ontogeniestadien

Juvenile Individuen unterscheiden sich morphologisch erheblich von den ausgewachsenen Formen. Deshalb ist die Kenntnis lückenloser Übergänge aller Ontogeniestadien zur Vermeidung taxonomischer Fehldeutungen unverzichtbar. Im Unterschied dazu sind die juvenilen Individuen der Biospezies Ceratites nodosus morphologisch faktisch nicht zu unterscheiden. Die zweifelsfreie Zuordnung einer Chronospezies kann deshalb nur mit exakt horizontiert geborgenen Belegen erfolgen.

Im ersten Ontogeniestadium (I) durchlaufen alle Ceratiten einen Zustand, der anfangs völlig skulpturlos bleibt und erst zu einem späteren Zeitpunkt lediglich marginale Knötchenbildungen aufweist. Der Zeitraum für dieses Entwicklungsstadium ist sehr variabel und von verschiedenen Faktoren abhängig.
Dem skulpturlosen Abschnitt folgt mit der Ausbildung lateraler Knötchen, Knoten oder Fältchen das zweite Ontogeniestadium (II). Diese lateralen Bildungen stehen anfangs trichotom und später dichotom den marginalen Knötchen oder Knoten gegenüber. Parallel dazu entsteht durch ein unterschiedlich langes Verharren einer Organismengruppe im ersten Ontogeniestadium eine zeitlich divergierende Morphologie. Sie wird nur im direkten Vergleich auf Populationsniveau mit dem Erreichen des zweiten Stadiums der Individualentwicklung sichtbar.
Dabei erfolgt die Aufspaltung in zwei grundverschiedene Morphen. Sie erfolgt zum einen in den frühontogenetisch kräftig trichotom bis dichotom skulpturierten „P" Typ und zum anderen in den schwach skulpturierten „E" Typ. Die Bezeichnungen „E" (von enodis) und „P" (von posseckeri) wurden aus meiner Publikation von 1988 übernommen. Die gesamte statistische Auswertung erfolgt seitdem auf der Basis der Divergenz dieser Dimorphen, die seit 2003 als Geschlechts-Dimorphismus gedeutet wird.
Mit der Ausbildung von Einfachrippen in der ersten nodosen Phase folgt ab der compressus-Biozone das dritte Ontogeniestadium (III). Dabei werden die Skulpturelemente des zweiten Ontogeniestadiums teilweise überwachsen und verdeckt. Das divergente frühontogenetische Verhaltensmuster bleibt bis zu den Individuen der semipartitus/meissnerianus-Biozone unverändert.