Lebensweise

Die Rekonstruktion der Lebensweise ausgestorbener Organismen basiert auf der Auswertung ihrer fossil erhaltenen Reste und ist vom Zeitpunkt des jeweiligen Kenntnisstandes abhängig. Bislang ist es üblich, fossile Cephalopoden mit Außenschale im Analogievergleich mit dem rezenten Nautilus darzustellen. Für diese Methode sprechen gemeinsame Merkmale, wie das planspiral aufgerollte Gehäuse und die innere Zweiteilung in Wohnkammer und Phragmokon mit Sipho. Obwohl die Morphologie des Weichkörpers fossiler ectocochleater Cephalopoden unbekannt ist, übernimmt man allgemein einen Nautilus ähnlichen Organismus mit Greifarmen und Trichter.
Dementsprechend wird auch vorausgesetzt, dass sich diese Tiere einst wie Nautilus frei beweglich in der Wassersäule über dem Boden aufhielten und damit eine schwimmende Lebensweise suggeriert.
Bei dieser Betrachtungsweise fällt allgemein auf, dass häufig die einfachsten physikalischen Bedingungen nicht konsequent in Betracht gezogen werden. Für das funktionelle Verständnis der morphologischen Besonderheiten der Schalencephalopoden ist jedoch die Berücksichtigung der hydrostatischen Gesetze unumgänglich. Das starre Gehäuse mit seinem vorgegebenen Volumen ermöglicht einen exakten Ansatz zur Anwendung der Gesetze der Hydrostatik. Um die Lebensweise von fossilen Cephalopoden mit einer Außenschale nachvollziehen zu können, müssen deshalb vorrangig drei hydrostatische Aspekte, nämlich Auftrieb und Gewicht, die mögliche Schwebefähigkeit sowie die stabile Gehäuseorientierung vorurteilsfrei berücksichtigt werden. Die Arbeit mit diesen Kräften ist ein hervorragendes Mittel, um nicht zutreffende Möglichkeiten mit Sicherheit ausschließen zu können.

Warum Ceratiten zum Schwimmen nicht befähigt waren kann deshalb bei konsequenter Anwendung der hydrostatischen Gesetze zweifelsfrei nachgewiesen werden.